Vivien Seemüller und Max Reiser.

Heilerziehungspfleger bei der Katholischen Jugendfürsorge.

 

 

Das Team der Katholischen Jugendfürsorge (KJF) hat denselben Beruf: Beide arbeiten als Heilerziehungspfleger in ihren Wohngruppen im Frère-Roger-Kinderzentrum mitten in Augsburg-Oberhausen. Dort betreuen sie Kinder und Jugendliche, die in familienähnlichen Strukturen zusammenleben. Sinnhaftes Tun im sozialen Umfeld steht für Vivien Seemüller und Max Reiser im Vordergrund.

 

Zunächst hatte Max Reiser jedoch ganz andere berufliche Pläne: Mit dem qualifizierenden Hauptschulabschluss in der Tasche ließ er sich zum Galvaniseur ausbilden, arbeitete zwei Jahre lang in der Metallverarbeitung, wurde dann zum Wehrdienst eingezogen und fand dort heraus, dass ihm der Umgang mit unterschiedlichsten Menschen besonders liegt. Er absolvierte daraufhin die Ausbildung zum Kinderpfleger und Heilerziehungspfleger – und hat damit, wie er sagt, seinen Traumberuf gefunden.

Was ist seiner Erfahrung nach die wichtigste Voraussetzung, um der Arbeit mit den jungen Menschen gewachsen zu sein?

  

Was man auf jeden Fall mitbringen muss, ist Persönlichkeit. Man darf sich nicht verstellen.

  

Auch Distanz zu den Problemen der Klienten ist laut Reiser von großer Bedeutung. Er wertet auch kleine Veränderungen als große Erfolge, weil man Kindern und Jugendlichen, die Jahre lang von schlechten Erfahrungen geprägt sind, zwar Hilfestellung leisten, aber nicht „die Festplatte löschen“ kann.

 

Bei Vivien Seemüller stand die soziale Berufswahl von Beginn an fest. Nach der Schule lernte sie in Praktika und während eines Freiwilligen Sozialen Jahrs die Behinderten- und Altenhilfe kennen. Sie absolvierte die Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin und entschied sich dann für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen bei der Katholischen Jugendfürsorge. Ihr nächstes Ziel ist der erfolgreiche Abschluss der berufsbegleitenden Ausbildung zur Heilpädagogin.

Vivien Seemüller sieht die Basis für die erfolgreiche pädagogische Arbeit im Kollegenteam:
 

Man braucht Kollegen, auf die man sich hundertprozentig verlassen kann. Das Wichtigste ist ein Team, das hinter mir steht und mit mir zusammen Strategien erarbeitet. Und wir erhalten unsere psychische Stabilität mit viel Humor.

 

Dabei kommen auch Methoden wie Supervision des pädagogischen Teams zum Einsatz. Der religiöse Wertekanon spielt in der täglichen Gruppenarbeit eine tragende Rolle und prägt das Gemeinschaftsleben, gemeinsame Besuche von Gottesdiensten, Rituale und Feste im Jahreslauf. Auch für Vivien Seemüller ist die professionelle Abgrenzung Teil ihrer Arbeit: „Man muss klar bei den Zielen bleiben und die Grenzen sehen.“ Das sei auch ein Lernprozess, wie sie sagt. 

 

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